Die hohe Kunst des Latte Art

Die hohe Kunst des Latte Art

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„Latte“ kommt aus dem Italienischen und bedeutet „Milch“, das englische Wort „Art“ steht für „Kunst“. Es geht also um Milchkunst. Doch was hat das mit Kaffee zu tun? Und warum Kunst? Muss man dafür ins Museum gehen? Klappt das auch bei Kunstbanausen? Wir klären auf.

Crema und Milchschaum sind ein Muss

Latte Art nennt sich die kreative Verzierung der Oberfläche von Espresso-Getränken, die mit Milchschaum verfeinert werden. Hierzu sind zwei Elemente erforderlich: Zum einen muss als Grundlage in der Regel Espresso mit Crema hergestellt werden. Crema ist der dichte, goldbraune Schaum, der vom Fachmann zum Beispiel mit einer Siebträgermaschine erreicht wird. Das Weitern wird Milchschaum benötigt, und nicht irgendein Milchschaum. Fester Milchschaum, den man quasi mit dem Löffel wie Eisweiss abnehmen kann, ist unter Kennern nicht nur verpönt, sondern bringt uns in unserem Kunstprojekt auch nicht weiter. Das Ziel ist ein cremiger, feinporiger Milchschaum, der flüssig genug ist, um ihn zu gießen.

Volldampf zum Ziehen und Rollen

Der Barista schafft dies durch eine Technik, die man „Ziehen und Rollen“ nennt. Ein Metallkännchen wird mit kalter Milch gefüllt, die Dampfdüse (oder Dampflanze) vorgeheizt, und dann mit Volldampf knapp unter der Oberfläche der Milch gehalten. Charakteristisch ist für diesen Vorgang das laute Schlürfgeräusch. Die Milch zieht somit Luft und erhöht ihr Volumen. Anschließend kommt die Milch ins Rollen. Die Dampfdüse wird etwas tiefer in die Milch gesetzt, um durch Wirbelbewegungen gleichzeitig zu schäumen und zu erhitzen. Die Milch darf übrigens nicht zu heiß werden, der erfahrene Barista hält daher das Kännchen direkt in der Hand. Verbrennt er sich die Flossen, war die Milch zu heiß.

Nun gehts an Eingemachte. Der feinporige Profischaum sollte direkt nach dem Schäumen seinen kunstvollen Weg in die Espresso-Crema finden. Durch einfaches Kippen wird die Milch unter die Crema geschwenkt und es sind die gekonnten Bewegungen beim Gießen, die das Muster machen. Die Grundlage der Latte Art wird gegossen, Profis zeichnen aber anschließend auch mit Hilfselementen und Farbstoffen nach und zaubern erstaunliche Bilder auf Kaffeespezialitäten. Entscheidend für ein gelungenes Motiv ist natürlich auch die richtige Tasse, die genug Platz bietet. Meist werden Cappuccino- oder Milchkaffeetassen verwendet, die über eine große Oberfläche verfügen.

Latte Art findet man heutzutage zumindest mit einfachen Motiven in vielen Cafés, einige Baristas überraschen aus Leidenschaft mit kreativen Verzierungen. Der Laie kann Latte Art lernen, es gibt mittlerweile Kurse, die Lehrgänge anbieten und im Internet findet man zahlreiche Tutorials, von der Crema, bis hin zum perfekten Milchschaum und zu Latte Art an sich. Ausschlaggebend ist allerdings das richtige Equipment, mit einem Melitta-Filterkaffe und einem Stab-Milchaufschäumer kann man gießen, bis man umfällt, der Picasso auf dem Milchschaum kommt so nicht zustande. Grundausrüstung ist eine Kaffeemaschine (z.B. Siebträger oder Kaffeevollautomat) mit Dampflanze, und die Möglichkeit, einen Espresso mit Crema herzustellen. Auch die Qualität der Bohne an sich, deren Röstung und Mahlgrad spielen zur perfekten Crema eine erhebliche Rolle.

Südkorea ist Weltmeister im Latte Art

Die Asiaten sind vielleicht nicht berühmt für ihre Kaffeekultur, aber spätestens seit diesem Jahr verdienen sie sich ein Sternchen in Sachen Kaffeekunst. Der aktuelle Weltmeister im Latte Art (Ja, das ist eine richtige Weltmeisterschaft) heißt Um Paul und kommt aus Südkorea. In seinen Gewinnertässchen kann man eindrucksvolle, detaillierte Abbildungen eines Schwanes, eines Engels und der Zeichentrickfee Tinker Bell bestaunen.

Latte Art ist eine der erstaunlichsten und schönsten Arten der gastronomischen Kunstformen und schmeckt auch jedem Kunstbanausen, denn ein Besuch im Museum ist nicht nötig.